E I N S S E I N    M I T    G O T T                                                                                                                                                                                               F a c e t t e n    d e r     M y s t i k                                                                                        
  

(Pseudo-) Dionysius Areopagita
(um 500)


"Dionysius Areopagita erscheint uns als der große Vermittler im modernen Dialog zwischen dem Christentum und den mystischen Theologien Asiens, deren Charakteristikum in der Überzeugung liegt, dass man nicht sagen könne, wer Gott ist; von ihm kann nur in negativer Form gesprochen werden ... Und hier ist eine Nähe zwischen dem Denken des Areopagita und jenem der asiatischen Religionen zu erkennen. Er kann heute ein Vermittler sein, so wie er es zwischen dem griechischen Geist und dem Evangelium war".

Josef Ratzinger 2008 (Benedikt XIV.)

(nach Wehr 2013, S. 148 f.)

 

 

 „Nichts von den geistig fassbaren Dingen ist der überragende Urheber alles Geistigen

Wiederum aufsteigend sagen wir, Er ist weder Seele noch Geist; hat weder Einbildung noch Meinung, Vernunft- oder Verstandeserkenntnis; Er ist weder Wort noch Verstehen, wird weder ausgesprochen noch erkannt; Er ist weder Zahl noch Ordnung, weder Größe noch Kleinheit, weder Gleichheit noch Ungleichheit, weder Ähnlichkeit noch Unähnlichkeit; Er steht weder noch ist Er in Bewegung oder ruht, Er hat weder Vermögen noch ist Er Vermögen oder Licht; Er lebt nicht, noch ist Er Leben; Er ist kein Einzelwesen, nicht Aion oder Zeit, Er ist nicht geistig berührbar, nicht Wissen oder Wahrheit, nicht Königtum oder Weisheit, weder Eines noch Einheit noch Gottheit noch Güte, nicht Geist, wie wir ihn verstehen; nicht Sohnschaft noch Vaterschaft noch sonst etwas von dem, was wir erkennen oder was ein anderes Seiendes erkennt; Er ist nichts vom Nichtseienden oder vom Seienden: Weder erkennt Ihn das Seiende als seiend noch erkennt Er das Seiende als seiend; es gibt für Ihn weder Begriff noch Namen noch Erkenntnis; Er ist weder Dunkelheit noch Licht noch Irrtum noch Wahrheit: Und es gibt für Ihn allgemein weder Behauptung noch Verneinung. Und wenn wir von dem, was nach Ihm kommt, etwas behaupten oder verneinen, setzen wir Ihn weder noch leugnen wir Ihn; denn Er ist über jeder Setzung als die vollkommene und einzige Ursache aller Dinge und über jeder Verneinung als die Überlegenheit des schlechthin Abgelösten von allem und jenseits des Alls."

(Dionysius Areopagita, um 500 n. Chr.)

(Dionysius und Stein 2015, S. 16 f.)